{Rezension} „Gespräche auf einem absurden Planeten“ von Emil Horowitz

Worum geht’s?

Sechzehn Episoden, zum Teil melancholisch, zum Teil skurril, zum Teil romantisch, zum Teil komisch, führen uns durch die seltsamen Paradiesgärten der menschlichen Seele. Kleine Theaterstücke entlarven auf unterhaltsame Weise die Irrwege, auf die uns die Errungenschaften der modernen Zivilisation führen können, die Abartigkeiten unserer Konsumgesellschaft, die Untiefen von Intoleranz und Hass, die Labyrinthe menschlicher Emotionen. (© Amazon)

Gespräche auf einem absurden Planeten CoverDie Fakten zum Buch
Titel: Gespräche auf einem absurden Planeten
Autor: Emil Horowitz
Verlag: Neobooks
Seitenzahl: 175 Seiten
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2018

Vielen Dank an den Autor für die Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars.


Preface: Warum Kurzgeschichten und ich (fast) ein Novum sind

Lesen über den Tellerrand hinaus ist etwas, was ich gern viel öfter tun würde. Lese ich normalerweise in den gleichen zwei bis drei Genre, weiß ich aber auch, dass es auch abseits davon zahlreiche Bücher gibt, die mir sicherlich gefallen würden. Trotzdem ist es natürlich einfacher, in seiner Komfortzone zu lesen, denn so ist die Chance, von einem Buch enttäuscht zu werden zumindest eingeschränkt.

Mit „Gespräche auf einem absurden Planeten“ habe ich mal wieder so eine Reise abseits des Tellerrands unternommen. Wer mich kennt und vielleicht auch meine Rezension zu „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling gelesen hat, weiß, dass ich mit Satire und humoristisch angehauchten Büchern in der Regel nicht so viel anfangen kann. Wenn das Ganze dann auch noch in Kurzgeschichten verfasst ist, dürfte das fragliche Buch eigentlich ganz weit ab von meiner Lese-Komfortzone liegen.

Da die Kurzbeschreibung von „Gespräche auf einem absurden Planeten“ jedoch durchaus interessant klang und ich mir vorgenommen hatte, ab und zu auch mal zu Kurzgeschichten zu greifen, habe ich das Angebot eines Rezensionsexemplars jedoch gern angenommen.

„Gespräche auf einem absurden Planeten“ – für mich zu absurd?

Wer meinen Monatsrückblick für den September 2018 gelesen hat, hat meine Sterne-Bewertung von „Gespräche auf einem absurden Planeten“ vermutlich bereits gesehen. Nun kann eine Zwei-Sterne-Bewertung bei mir entweder bedeuten, dass mir ein Buch nicht gefallen hat, oder dass ich es nicht empfehlen kann. Bei der Kurzgeschichtensammlung von Emil Horowitz ist definitiv ersteres der Fall, denn das Buch ist zwar vom Stil und der Erzählform her sehr interessant, doch inhaltlich kamen „Gespräche auf einem absurden Planeten“ und ich leider nicht zusammen. Doch nur weil ein Buch für mich nicht das richtige war, heißt das nicht, dass es einem anderen Leser ebenfalls nicht gefallen wird.

Beim Lesen von „Gespräche auf einem absurden Planeten“ hat sich schnell gezeigt, dass ich trotz aller guten Vorsätze wohl doch die falsche Zielgruppe bin. Leser, die viel im Bereich Belletristik und/oder Satire unterwegs sind, werden mit dem Buch sicher deutlich mehr Spaß haben als ich. Damit will ich nicht sagen, dass mir keine der insgesamt 16 Kurzgeschichten gefallen hat, denn das ist nicht der Fall. Doch leider überwiegt für mich die Anzahl der Geschichten, mit denen ich nichts anfangen konnte, die mir entweder zu platt waren oder die für meinen Geschmack zu krampfhaft versucht haben, lustig zu sein.

„Gespräche auf einem absurden Planeten“: Der Ton macht die Musik

Das Besondere an „Gespräche auf einem absurden Planeten“ ist der jeweilige Ton der einzelnen Kurzgeschichten. Betrachtet man sie genauer, könnten es teils Unterhaltungen sein, die ich genauso in der Bahn oder im Büro erleben könnte. Das ist auch die Absicht des Buches, das uns, so erklärt es bereits die Kurzbeschreibung „die Irrwege, auf die uns die Errungenschaften der modernen Zivilisation führen können, die Abartigkeiten unserer Konsumgesellschaft, die Untiefen von Intoleranz und Hass, die Labyrinthe menschlicher Emotionen“ zeigen will.

Jede der 16 Kurzgeschichten ist in verteilten Rollen geschrieben, sodass man immer mindestens zwei, oft jedoch noch mehr Seiten der gleichen Unterhaltung verfolgen und interpretieren kann. Dazu kommen jeweils kurze Einleitungen, in denen die vorliegende Situation geschildert und die Figuren der jeweiligen Kurzgeschichte vorgestellt werden. Mir als Leser hilft das einerseits dabei, die Geschichte in einen Kontext einzuordnen, und sorgt andererseits dafür, dass der Leser zum Nachdenken angeregt wird.

Auffällig bei diesem Kurzgeschichtenband ist, dass auch vor der Nutzung von Dialekt nicht halt gemacht wird, was den Konversationen besonders viel Leben einhaucht und die Figuren sympathischer macht. Oft habe ich bei der Verwendung von Dialekt in Büchern das Gefühl, dass dieser nur zur Belustigung dient. Das ist bei „Gespräche auf einem absurden Planeten“ nicht der Fall. Hier wird Dialekt einerseits als Stilmittel genutzt, andererseits passt er aber immer zu den jeweiligen Erzählstimmen und der Situation, die in der Geschichte beschrieben wird. Gefällt mir!

Fazit: Eine Frage des persönlichen Geschmacks

Nachdem mich die Kurzbeschreibung von „Gespräche auf einem absurden Planeten“ sehr angesprochen hat, hat mich die Kurzgeschichtensammlung leider letztendlich doch nicht überzeugen können. Das liegt vor allem am Inhalt der einzelnen Geschichten, von denen mir nur wenige wirklich gefallen und Emotionen bei mir ausgelöst haben. Viele der kurzen Momentaufnahmen von Konversationen in verteilten Rollen waren mir zu platt oder zu absurd, und ich konnte mit den wenigsten Geschichten wirklich etwas anfangen oder fühlte mich durch sie gut unterhalten. Doch das ist eine sehr subjektive Empfindung, denn schlecht per se ist der Inhalt bei weitem nicht.

Immerhin hat mir hier die ungewöhnliche Erzählform gut gefallen und sorgte dafür, dass sich die einzelnen Geschichten flüssig lesen ließen – und das sogar für mich als Nicht-Bayer, der dem bayrischen Dialekt oft nicht so gut folgen kann. Vom Aufbau und der Gestaltung ist „Gespräche auf einem absurden Planeten“ in jedem Fall gut gelungen, und wer sich für diese Art Bücher interessiert und gern satirische Kurzgeschichten liest, dürfte mit dem Kurzgeschichtenband gut beraten sein. Von mir gibt es (leider) nur zwei Sterne.

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