{Rezension} „Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer

Worum geht’s?

Stirbt sie, stirbst auch du

»In meiner zitternden Handfläche liegt, matt in der Sonne schimmernd, eine nachtschwarze Biene.«

Doch jenes unheimliche Wesen, das Mel eines Tages vor dem Bienenstock im Garten ihrer WG findet, ist keine der samtigen Bienen, die sie so liebt. Ganz im Gegenteil: Es ist eine tödliche Miniatur-Drohne, die es offensichtlich auf ihre lebenden »Artgenossen« abgesehen hat. Nur, wer würde die ohnehin bedrohten Bienenvölker um San Francisco ausrotten wollen? Mel und ihre vier WG-Freunde sind entsetzt und beginnen nachzuforschen. Und ihre Ermittlungen führen sie unversehens mitten hinein in eine hochbrisante Verschwörung .. (© cbj)


Herzlichen Dank an cbj Jugendbücher und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!


„Bienenkönigin“: Das Jugendbuchdebüt von Claudia Praxmayer

Rein von der Kurzbeschreibung her müssten bei mir bei „Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer alle Alarmglocken schrillen. Das Buch wird als Thriller beworben und das ist nun mal überhaupt nicht mein bevorzugtes Lesegenre. Dennoch war ich neugierig, als ich „Bienenkönigin“ durch Zufall auf der Frankfurter Buchmesse 2018 am Stand von cbj Jugendbücher gesehen habe. Auch beim ersten Reinschnuppern fand ich die Prämisse der  Geschichte spannend und dachte mir: Gib dem Buch einfach mal eine Chance. 

Um eins vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe weiß Gott schon schlechtere Romane, gerade auch im Jugendbuchbereich, gelesen. Trotzdem konnte ich mich das Jugendbuchdebüt von Claudia Praxmayer nicht zu Hundertprozent überzeugen.

Gute Storyidee, flüssige Erzählweise

Die Idee hinter der Story von „Bienenkönigin“ finde ich sehr spannend. Das Bienensterben und die damit verbundenen Auswirkungen sind ein sehr reales Problem, mit dem sich gar nicht genug auseinandergesetzt werden kann. Dass Bienen mit Absicht getötet werden, um daraus Profit zu schlagen, ist ein Szenario, das einerseits erschreckend, andererseits meiner Meinung nach aber gar nicht so weit hergeholt ist. 

Davon abgesehen, ist es einfach mal eine komplett andere Storyidee, die ich sehr erfrischend fand. Auch die Erzählweise des Buchs fand ich angenehm. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich leicht lesen, sodass die Seiten nur so dahinfliegen, wenn man erstmal in der Story drin ist.

Das hat allerdings bei mir ein bisschen gedauert, wobei ich nicht weiß, ob es an der Ich-Erzählerin oder tatsächlich an der Story selbst lag. Zu Beginn der Story erhält man die Vorgeschichte von Mel und wie sie überhaupt in dieser Wohngemeinschaft gelandet ist. Während das eine gute Basis für die Story legt, dauert es dadurch aber eben auch, bis die Story tatsächlich an Fahrt aufnimmt.

Dann geht es aber Schlag auf Schlag und ab circa der Hälfte von „Bienenkönigin“ ist die Story so spannend, dass man das Buch kaum noch aus der Land legen möchte. Obwohl ich mir stellenweise etwas mehr Tiefe und Details bei der Story gewünscht hätte, ist das Ganze am Ende rund und findet einen guten Abschluss.

Anstrengende Charaktere

Man fragt sich jetzt vielleicht, warum mich „Bienenkönigin“ nicht vollkommen überzeugen konnte, wenn ich an der Story doch recht wenig auszusetzen habe. Tatsächlich ist es weniger die Story als die Charaktere, mit denen ich so meine Probleme hatte. Zum einen gab es für mich keine Figur, die mir wirklich ans Herz gewachsen ist und bei deren Story ich mitgefiebert hätte. Zum anderen war ich vom Alter der Figuren irritiert, denn das Buch wird als Jugendbuch beschrieben, die Figuren sind aber alle schon in ihren 20ern. Das passt für mich nicht so ganz zusammen.

Da die Geschichte in der Ich-Perspektive von Mel erzählt wird, erfährt der Leser vor allem, was in ihrem Kopf vorgeht. Gerade Mel empfand ich aber als sehr anstrengenden Charakter, der mir gerade zum Ende hin gehörig auf den Zeiger ging. Die anderen Figuren bleiben daneben zu blass und bei manchen Figuren habe ich mich gefragt, was überhaupt ihre Rolle in dem Ganzen ist, denn die Geschichte hätte auch ohne sie funktioniert. 

Dazu kommt, dass ich mit einer anderen Erwartung an das Buch herangegangen bin. „Bienenkönigin“ wird als Jugendbuchthriller beworben, allerdings verfügt Mel über ein außergewöhnliches Talent, mit den Bienen zu singen. Irgendwie passt das für mich aber nicht mit einem „normalen“ Jugendbuch zusammen, denn ist es wirklich nötig, dass sich Mel dadurch so sehr von allen anderen Figuren abheben muss? Hätte die Story nicht genauso gut funktioniert, wenn sie einfach nur ein normaler Mensch gewesen wäre und sich einfach durch ihr Interesse daran so gut mit den Bienen auskennt? Für mich war dieses Detail einfach unnötig.

Genauso unnötig empfand ich die Liebesgeschichte zwischen Mel und Ozzy. Ich hatte hierbei das Gefühl, dass die Beziehung nur in „Bienenkönigin“ vorkommt, weil man anscheinend bei einem Jugendbuch einfach eine Liebesgeschichte erwartet. Ich empfand die Darstellung dieser Beziehung aber weder als schön noch als besonders liebevoll ausgearbeitet, sondern eher als ein Mittel zum Zweck, wobei mir der Zweck bis heute nicht klar ist. Schade!

Fazit

Die Idee hinter „Bienenkönigin“ hat mir gut gefallen, vor allem, da das Jugendbuchdebüt von Claudia Praxmayer ein wirklich wichtiges Thema anschneidet. Bei der Umsetzung hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht, was bei einem Jugendbuch aber meist schwierig umzusetzen ist, wenn man die Storyline nicht zu sehr kürzen möchte. Und das hätte der Geschichte auch nicht gut getan.

Während mir die Story gut gefallen hat, konnte ich mit den Figuren allerdings nicht viel anfangen, was mir das Lesevergnügen ein bisschen zunichte gemacht hat. Deswegen gibt es von mir auch nur gute drei von fünf Sternen. 

Bienenkönigin - CoverDie Fakten zum Buch
Titel: Bienenkönigin
Autor: Claudia Praxmayer
Verlag: cbj Jugendbücher
Seitenzahl: 345 Seiten
Erscheinungsdatum: 03. September 2018

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