{Rezension} „In Love with Adam“ von Liam Erpenbach

Worum geht’s?

Alte Tagebücher, eine junge Liebe und der Mut, endlich zu sich selbst zu stehen

Sam ist ein Außenseiter. Seit er seinen besten Freund verloren hat, zieht er sich immer mehr in sich und seine Bücherwelt zurück. Seine Klassenkameraden geben ihm das Gefühl, dass er anders ist, und so fühlt er sich auch. Bis er Adam, dem gutaussehenden und beliebten Footballstar der Schule, in einer Buchhandlung begegnet und sich alles verändert. Adam weicht Sam nicht mehr von der Seite und in seiner Gegenwart hat Sam endlich das Gefühl, richtig zu sein, so wie er ist. Doch Adam darf niemals herausfinden, dass sein Herz etwas zu schnell schlägt, wenn er in seine grauen Augen blickt und er nachts von Adams weichen Lippen träumt … Erst als Sam die Tagebücher seines Großvaters findet, versteht er, was es heißt, ein Leben lang ein Geheimnis zu hüten. Wird er den Mut finden, zu seinen Gefühlen zu stehen?


Herzlichen Dank an netgalley.de für das Rezensionsexemplar!


„In Love with Adam“: Erwartung vs. Realität?

Treibt man sich auf Twitter und/oder Instagram herum und folgt den richtigen Leuten, gibt es bestimmte Bücher, an denen man nicht vorbeikommt. „In Love with Adam“ ist genau so ein Buch, was natürlich vor allem daran liegt, dass ich dem Autor, Liam Erpenbach, schon seit Ewigkeiten auf Instagram folge. Wer mich kennt, weiß, dass das in der Regel direkt das Todesurteil für das Buch ist und ich es dann eigentlich nicht lesen mag, weil solche „Hype-Bücher“ und ich meist nicht zusammen passen.

Bei „In Love with Adam“ ist das ein wenig anders, denn ich hatte mal wieder richtig Lust, eine schöne LGBTQA+-Romance zu lesen. Auch die Kurzbeschreibung fand ich sehr ansprechend, also dachte ich mir: Komm, gib dem Ganzen mal eine Chance. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Die Story hält auf jeden Fall, was sie laut des Klappentextes verspricht, auch wenn ich einige kleinere Kritikpunkte habe. Insgesamt habe ich aber genau das bekommen, was ich erwartet habe: eine gefühlvolle, schöne Gay-Romance- / Coming-of-Age-Story.

Setting mit kleineren Schwächen

Trotzdem möchte ich direkt mit einem Kritikpunkt anfangen, der schon seit langer langer Zeit einer meiner größten Buch-„Pet Peeves“ ist: Warum haben deutsche Autoren das Bedürfnis, ihre Bücher in den USA spielen zu lassen? Würde die Geschichte nicht genauso gut funktionieren, wenn sie in Deutschland (oder sonstwo) spielen würde?

„In Love with Adam“ spielt im verschlafenen Städtchen Ravenswood in West Virginia, und während ich dazu beim Lesen entsprechende Bilder im Kopfe habe, hat das Setting meiner Meinung nach nicht viel zur Story beigetragen. Soll heißen: Das Buch hätte auch irgendwo anders spielen können und die Geschichte hätte genauso gut funktioniert. Warum müssen es also immer die USA sein?

Ein zweiter Punkt, der in die gleiche Richtung geht, ist die Sache mit der „Jahreszeit“. Immer wieder ist in „In Love with Adam“ vom Homecoming-Ball die Rede … und zwei Sätze weiter geht es um den Abschlussball. Das ist aber nicht das gleiche.

Das wird zwar irgendwann auch im Buch deutlich, allerdings gab es mehrere Stellen im Buch, bei denen ich mich als Leser gefragt habe, in welcher Jahreszeit wir uns gerade befinden. Natürlich mag es nicht jedem Leser auffallen, aber wenn ein Buch schon zu einer bestimmten Jahreszeit mit einem bestimmten Event (in diesem Fall Homecoming) spielt, dann sollte die Logik hier auch stimmen, um die Leser, denen es auffällt, nicht unnötig zu irritieren.

Genau die richtige Menge an Cliché

Davon einmal abgesehen, hat mir die Geschichte von Sam und Adam überraschend gut gefallen – auch wenn ich nach ca. 20 Prozent des E-Books noch gesagt habe, dass ich das Buch, wäre es eine „Straight-Romance“, wahrscheinlich schon vor Verzweiflung in die Ecke gepfeffert hätte.

Während ich Sam als Charakter unglaublich „relatable“ fand und ich mich bei vielen seiner Probleme und Gedankengänge wiedergefunden habe, fand ich Adam gerade am Anfang unfassbar anstrengend. Und auch die Beziehung der beiden war anfangs noch auf einem Level, bei dem ich mich gefragt habe: Is that healthy? Denn letztendlich drängt sich Adam Sam zu Beginn doch sehr auf, auch wenn Sam ihn immer wieder abweist. Glücklicherweise wurde das im Verlauf der Geschichte besser, sodass ich mich an der Entwicklung der Beziehung erfreuen konnte.

Was „In Love with Adam“ meiner Meinung nach wirklich gut macht, ist das Spielen mit Clichés, ohne dabei lächerlich zu werden. Es gibt kaum ein Buch, gerade im Romance-Bereich, das nicht ohne Clichés auskommt. Hier ist es das klassische „Charakter A glaubt, Charakter B hat ihm die Gefühle nur vorgespielt“, was in der Auflösung meist gar nicht so einfach umzusetzen ist. Hier fand ich die Auflösung und die Versöhnung aber gut gelungen und das war auch der Moment, in dem ich dann doch dachte „Awww, sie sind schon irgendwie cute zusammen“.

Generell schafft es das Buch, die unterschiedlichen Gefühle wirklich gut zum Leser zu transportieren. Dabei beschränkt es sich nicht nur auf die Gefühle zwischen Sam und Adam, sondern auch auf all die anderen Dinge, mit denen Sam im Verlauf der Geschichte kämpft. Für mich machte das das Buch zum einen sehr viel tiefgründiger, als es rein von der Storyline tatsächlich ist, und zum anderen einfach auch sehr relatable. Hier merkt man, dass sich der Autor bei der Entwicklung der Figuren wirklich Mühe gegeben hat.

Fazit

Insgesamt hat mir „In Love with Adam“ überraschend gut gefallen. Der Schreibstil liest sich sehr angenehm und flüssig und das Buch lässt sich gut in einem Rutsch weglesen. Trotz einiger kleinerer Kritikpunkte beim Setting und an den Figuren fand ich die Geschichte um Sam und Adam sehr schön und gefühlvoll erzählt.

Letztendlich habe ich mit „In Love with Adam“ also genau das bekommen, was ich erwartet habe: eine gefühlvolle Gay-Romance / Coming-of-Age-Story, die vor allem nicht nur ein problematisches Coming Out zum Thema hat wie es bei so vielen anderen Büchern in diesem Bereich der Fall ist. Von mir gibt es dafür 4 Sterne.

In Love with Adam - CoverDie Fakten zum Buch
Titel: In Love with Adam
Autor: Liam Erpenbach
Verlag: Forever by Ullstein
Seitenzahl: 316 Seiten
Erscheinungsdatum: 04. Februar 2019

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